Hier nun also der Bericht.
Die Operation stand ja sehr auf der Kippe, da Finn meinte, er müsse in der Nacht von Freitag auf Samstag die Spuckerei bekommen.
Sonntag war er allerdings wieder das blühende Leben, es konnte also losgehen...
Montag, 31.10. morgens um 5.30 Uhr.
Ich habe eigentlich recht gut geschlafen, doch nun beginnt sie langsam - die innere Unruhe.
Gegen 6 Uhr fährt der Herr Vater los um die Oma abzuholen, die Divabetreuung ist gesichert.
Derweilen laufe ich rastlos und vorallem sinnlos durchs Haus.
6.15 Uhr der heutige Hauptdarsteller wird geweckt und ist bester Laune.
Unwissenheit kann auch ein großes Geschenk sein...
6.45 Uhr Ankunft im Krankenhaus.
Wir werden auf der Station von einer sehr netten Krankenschwester empfangen, die uns noch einmal in aller Ruhe den weiteren Ablauf erklärte.
Damit Finnemann möglichst wenig Schmerzen beim Spritzen und Zugänge legen hat, wurde ihm eine Betäubungssabe samt Pflaster in die Armbeuge und auf den Handrücken geklebt.
Fand er suer...!
Finnemann wurde noch einmal von einer Kinderärztin untersucht - grünes Licht, OP-Spot an, es geht los!
Muttern wird immer unruhiger, der Herr Vater behält den Überblick und Finnemann ist weiterhin gut drauf.
Wir bekommen ein Zimmer zugewiesen, in dem wir den Vormittag verbringen werden.
Das Gitterbett wird von Finnemann mit großer Begeisterung erstürmt, und OP-Hemdchen kleidet ihn ungemein...
Nächster Auftritt der Krankenschwester.
Sie verabreicht Finnemann den sogenannten "Sche.iß-egal-Saft" - DAS findet er nur so mäßig gut, findet aber zu seiner guten Laune zurück.
Er dürfe nun nicht mehr rumlaufen, da er von diesem Saft jetzt sehr duselig wird.
Finnemann scheint das recht schnell zu merken, und möchte in sein Gitterbett verlegt werden.
Dort werden seine Bewegungen immer unkoordinierte,und es schleicht sich ein breites Grinsen in sein Gesicht.
Dieses Grinsen wird wirklich immer breiter, und wird von leichtem Gekicher begleitet.
DAS läßt dann auch noch einmal die Laune der Eltern inungeahnte Höhen steigen - was für ein kurioser Anblick so ein 2 jähriger auf seinem ersten Trip ;-)
(Im Nachhinein sind wir etwas enttäuscht, dass wir davon keinen Film gedreht haben - DAS wäre doch mal ein netter Einspieler für Finnemanns Hochzeitsparty gewesen!)
Auftritt der Krankenschwester - es geht los.
7.45 Uhr Finnemann schwebt auf rosa Wolken und wird in den OP geschoben.
Bis zur Tür dürfen wir ihn noch begleiten - dann ist es um meine Fassung geschehen...
Ich komme mir vor wie im Film, als sich die Türen hinter ihm schließen, und muss erstmal weinen.
Der Herr Vater hält weiterhin alles im Griff.
Alle paar Minuten schaue ich auf die Uhr - und muss vor lauter Nervosität reden.
REDEN, REDEN, REDEN - und mein armer Mann muss zuhören ;-)
Die Krankenschwester erzählt uns, dass Finnemann kurz geweint hat, als sie ihn dem Ärzteteam übergeben hat, nun aber alles gut läuft.
Erleicherung - und weiter REDEN!
8.50 Uhr: Die Operation ist vorbei, alles ist ohne Komlikationen verlaufen, und der kleine tapfere Kerl liegt schon im Aufwachraum.
Leider kann nur einer zu ihm - ich drängel mich mal ganz galant vor, und eile hinter der Krankenschwester her.
Und da liegt mein kleiner Bär - mit seinem Hemdchen, völlig verwuschelten Haaren und diversen Geräten zur Überwachung und zum Warmhalten.
Er liegt ganz ruhig da, atmet ruhig, und mich durchfließt eine so große Welle der Erleichterung - und na klar, ich muss auch mal wieder weinen ;-)
Die Op-Schwester sagt auch noch einmal wie gut alles lief, und dass er in wenigen Minuten aufwachen wird.
Muttern säuselte also dem kleinen Schlafbären ins Ohr und wurschtelte mit der Hand durch die Gitterstäbe - aber der Kerl wachte nicht auf.
Nach etwa 30 Minuten wunderten sich auch die Krankenschwestern und die Narkoseärztin kam auch im Minutentakt vorbei.
Wieder fing so eine leichte Nervosität an sich Bahn zu brechen...
Und dann, wie aus dem Nichts stemmte sich Finnemann hoch, schaute sich mit gerunzelter Stirn um, blickte auf seinen Kuschelhund und rief ziemlich laut und deutlich "WEG!"
Der kleien Kerl rappelte sich auf, zog und zerrte an seinen Kabeln samt Pflastern undwollte aufstehen.
kurz konnte ich ihn zu einer kleinen Kuscheleinheit überreden - dann wollte er aber wirklich los!
Die Krankenschwester fummelte in Windeseile seine Kabel ab,und schon gab es kein Halten mehr.
Nichts von wegen leichter Benommenheit nach einer Vollnarkose - Action war angesagt.
Im Zimmer angekommen wurde der Herr Vater natürlich freudestrahlend begrüßt.
Als erste Kost des Tages wurden dem jungen Herrn dann Salzstangen kredenzt - schmeckten ihm gut, wurden umgehend vertilgt und "MEHR" verlangt.
Es folgten noch zwei Laugenbrezel, ein halbes Käsebrötchen und Reiswaffeln.
Nun ist es ja so, dass man nach einer ambulanten Operation eine gewisse Zeit zur Überwachung in der Klinik bleiben muss.
Es wird der Herzschlag überprüft, ob das Essen und Trinken vertragen wird, in unserem Fall wurde noch auf das Pipimachen gewartet und wie sich der Allgemeinzustand so entwickelt.
Bei Finnemann entwickelte sich der Allgemeinzustand ziemlich rasant...
Eigentlich sollte sich derjunge Herr ja ein wenig Ruhe gönnen.
Eigentlich sollte er auf gar keinen Fall und unter keinen Umständen toben und klettern.
Eigentlich...
Nur Finnemann sah das alles etwas anders, und lief ziemlich schnell zu alten Höchstformen auf.
Da können 3 Stunden in einem kleinen Krankenhauszimmer sehr sehr lang werden.
Während bei dem Herrn Vater und mir langsam aber sicher die Anspannung nachließ und der Erschöpfung Platz machte war Finnemann bester Laune.
Auch auf dem Weg nach Hause war von Ausruhen nicht die Rede.
Und Abends dann Halloween...
Wer von der OP nichts wußte hat dem kleinen Wirbelwind auch nichts angemerkt.
Zum Glück ist alles so wunderbar verlaufen, und auch der weitere Heilungsprozess sieht gut aus.
Finnemann liebt seine Kamillenteebäder und findet das Eincremen natürlich doof.
Er schläft seit der Operation recht unruhig, und ist doch etwas anhänglicher.
Aber - war er das nicht vorher auch !?!?!? ;-)